Risikomanagement – systematisch mit Risiken umgehen
Risikomanagement bedeutet, Gefahren systematisch zu erkennen, zu bewerten und bewusst zu behandeln. Für die Versicherungsberatung sind der fünfstufige Prozess und die vier Sicherungsmassnahmen zentral.
Eine Entscheidungshilfe, keine fertige Antwort
Risikomanagement entscheidet nicht, ob eine Person ein Risiko eingehen soll. Zwei Personen können dieselben Gefahren kennen und sich unterschiedlich entscheiden. Der Prozess schafft die Grundlage für eine bewusste Entscheidung.
Die fünf Schritte des Risikomanagements
- Ziele hinterfragen: Was soll genau erreicht werden?
- Gefahren erkennen: Was könnte das Ziel verhindern?
- Gefahren bewerten: Wie gross sind Tragweite und Eintrittswahrscheinlichkeit?
- Sicherungsmassnahmen wählen: Meiden, vermindern, abwälzen oder selbst tragen.
- Überwachen: Ziele, Gefahren und Massnahmen laufend überprüfen.
MerkeDie fünf Schritte bilden den gesamten Risikomanagement-Prozess. Die vier Sicherungsmassnahmen gehören nur zu Schritt 4.
Ziel und Gefahren bestimmen
Je genauer ein Ziel formuliert ist, desto leichter lassen sich Gefahren erkennen. «Ferien mit dem Motorrad» ist ungenau. «Sommerferien in Südfrankreich mit dem Motorrad» macht konkrete Gefahren sichtbar.
| Gefahrenart | Beispiel |
|---|---|
| Offenkundig | Verkehrsunfall oder Diebstahl |
| Versteckt | Technischer Defekt am Fahrzeug |
| Persönlich verdrängt | Bekannte Vorerkrankung, die beim Fahren ausgeblendet wird |
| Unbekannt | Nicht vorhersehbarer Werkmangel |
Gefahren bewerten
Die Bewertung verbindet die Tragweite eines Schadens mit seiner Eintrittswahrscheinlichkeit. Versicherungsmathematiker schätzen Wahrscheinlichkeiten anhand von Statistiken.
| Stufe | Finanzielle Tragweite |
|---|---|
| Kleinrisiko | Geringe Folgen |
| Mittleres Risiko | Spürbare, aber verkraftbare Folgen |
| Grossrisiko | Schwerwiegende Folgen |
| Katastrophenrisiko | Existenzbedrohende Folgen |
Die Einstufung ist persönlich. Beruf, Gesundheit, Alter, finanzielle Lage und Freizeitverhalten können sie beeinflussen.
Vier Sicherungsmassnahmen wählen
Risiko meiden
Das Ziel wird ganz oder teilweise aufgegeben, etwa wenn jemand im Winter nicht Motorrad fährt.
Risiko vermindern und begrenzen
Gefahrenverhütung senkt die Eintrittswahrscheinlichkeit, zum Beispiel defensives Fahren. Schadenbegrenzung reduziert die Schwere, zum Beispiel ein Helm. Auch staatliche Sicherheitsstandards und Airbags dienen diesem Ziel.
Risiko abwälzen
Eine Versicherung übernimmt vereinbarte finanzielle Folgen wie Heilungs-, Rehabilitations- und Wiedereingliederungskosten, Verdienstausfall oder Vermögensschäden. Persönliches Leid kann sie nicht abnehmen.
Risiko selbst tragen
Nicht vermeidbare, nicht verminderbare oder nicht versicherbare Folgen bleiben bei der betroffenen Person. Absolute Sicherheit gibt es nicht.
Überwachen und neu beurteilen
Risikomanagement endet nicht mit der Massnahmenwahl. Familiengründung, Selbstständigkeit oder eine leitende Funktion verändern Ziele und Sicherheitsbilanz. Der Schutz muss deshalb regelmässig überprüft werden.
Weiter und enger Begriff
| Begriff | Umfang |
|---|---|
| Risikomanagement im weiten Sinn | Alle fünf Schritte vom Ziel bis zur Überwachung |
| Risikomanagement im engen Sinn | Nur die Wahl der vier Sicherungsmassnahmen |
Kundschaft und Beratung als Sicherungsteam
Die Kundschaft kennt ihre Situation; die Beratungsperson bringt Fachwissen ein. Wird jemand selbstständig, entfällt beispielsweise der obligatorische Schutz eines Angestellten bei Unfall und Altersvorsorge. Der Prozess muss neu durchgeführt werden.
Bei Unternehmen prüfen Spezialisten beispielsweise Gebäude auf Feuergefahren und empfehlen Brandschutztüren. Umgesetzte Schutzmassnahmen werden meist mit einer günstigeren Prämie berücksichtigt.
Prüfungs-Check
- Du nennst die fünf Schritte in der richtigen Reihenfolge.
- Du unterscheidest die fünf Prozessschritte von den vier Sicherungsmassnahmen.
- Du bewertest Gefahren nach Tragweite und Eintrittswahrscheinlichkeit.
- Du erklärst Meiden, Vermindern, Abwälzen und Selbsttragen anhand von Beispielen.
- Du unterscheidest Risikomanagement im weiten und im engen Sinn.