Der Versicherungsvermittler

krankenzusatz
Lernen

Aufgaben des Versicherungsvermittlers

Versicherungsvermittler verkaufen und beraten. Der geordnete Prozess reicht von der Adressbeschaffung über das Kundengespräch bis zur langfristigen Betreuung und Reklamationsbearbeitung.

Zwei Hauptfunktionen

AbsatzfunktionBeratungsfunktion
Neue Kundschaft gewinnen und bestehende Beziehungen pflegen; Neugeschäft und Bestand sichernVersicherungsbedarf ermitteln, zur Schadenverhütung beraten und im Schadenfall unterstützen

Zusatzaufgaben können Verkaufsadministration, Repräsentation und das Sammeln von Marktdaten sein.

Der Verkaufsprozess in drei Phasen

  1. Planung und Vorbereitung: Zielgruppe, Adresse, Anlass, Bedarf und Gesprächsziel klären.
  2. Durchführung und Abschluss: Kontakt gestalten, beraten, Einwände behandeln und Entscheidung herbeiführen.
  3. Nachbereitung: Daten erfassen, Zufriedenheit prüfen, Reklamationen bearbeiten und nächsten Kontakt planen.
MerkeDer Vermittler verkauft und berät zugleich. Guter Verkauf beginnt mit Zuhören, nicht mit Argumentieren.

Adressen gewinnen und priorisieren

Die Marketingstrategie bestimmt die Zielgruppen. Bei Firmen ist zusätzlich die kaufentscheidende Person zu ermitteln. Datenschutz ist bei jeder Quelle zu beachten.

WegMerkmal
ZentralAuswertung des Kundeninformationssystems oder Adresskauf
AdressvermittlerLiefert systematisch Adressen und Zusatzinformationen, führt oft ein und wird entschädigt
Verkäufer selbstNutzt persönliche Beziehungen und nennt die empfehlende Person

Geburt, Heirat, Volljährigkeit, Liegenschaftskauf, Geschäftseröffnung oder Erweiterung weisen auf neuen Bedarf hin. Adressen mit guten Risiken, hohem Prämienpotenzial und hoher Abschlusswahrscheinlichkeit sind rasch zu bearbeiten. Alle Adressen werden im Kundeninformationssystem klassiert.

Bestehende Kundschaft betreuen

Kontakt ist sinnvoll, wenn eine Lücke vermutet wird oder sich der Bedarf verändert. Auch eine Reduktion kann richtig sein, etwa die Aufhebung der Vollkasko für ein altes Auto.

AuslöserBeispiele
KundschaftFamilienstand, Vermögen, Einkommen, Betriebsentwicklung
UmweltGesetzesänderung, Gesundheitskosten, Inflation
AnbieterNeue Produkte, Vertragsbedingungen, Abläufe, fällige Kapitalien

Hilfsmittel sind Geschäftsantwortkarten, Direct Mailing und Events im Kundenbeziehungsmanagement.

Kontakt und Besuch vorbereiten

Telefonkontakt ist häufig und rationell, erleichtert aber eine Absage. Schriftliche Kontakte gewinnen an Bedeutung. Unangemeldete Besuche sind nur ausnahmsweise sinnvoll.

VorbereitungLeitfragen
Ist-SituationWer ist die Person, warum findet das Gespräch statt, welche Verträge und Kontakte bestehen?
Soll-SituationWo besteht neuer Bedarf, was ist anzupassen, braucht es Teil- oder Gesamtberatung?
VorschlagWelche Skizze oder Offerte zeigt den Kundennutzen?

Ort, Termin, Unterlagen und Formulare sind zu planen. Notebook, Zeigemappen, Prospekte, Block und Schreiber können helfen. Gute Vorbereitung darf die Flexibilität im Gespräch nicht ersetzen.

Kaufentscheid und Gesprächsführung

Produkt, Person sowie Privat- oder Firmengeschäft beeinflussen den Entscheid. Persönlicher Verkauf bietet Zweiwegkommunikation, bewusste Beziehungsgestaltung und eine Reaktionsverpflichtung. Bei komplexen Versicherungsprodukten besteht ein grosses Informationsgefälle.

Das wichtigste Kaufmotiv ist Sicherheit. Hinzu kommen Besitzerhaltung, Fürsorge, Sozialprestige und bei Lebensversicherungen das Sparmotiv. Widerstände sind Prämienpflicht, Konkurrenzangebote, fehlendes Bedarfsbewusstsein, Sympathie oder Stimmung.

Fünf Fragetypen

FrageZweck
InformationsfrageBedarf und Wünsche ergründen
SuggestivfrageZu einer bestimmten Antwort führen
GegenfrageEinwand behandeln und Informationen gewinnen
KontrollfrageVerständnis prüfen
AlternativfrageEntscheidung erleichtern

Verbale und nonverbale Kommunikation müssen zusammenpassen. Im Firmengeschäft wird das Gespräch häufig zur Verhandlung über Prämien und Konditionen.

Ablauf des Verkaufsgesprächs

Das vereinfachte AIDA-Modell steht für Attention, Interest, Desire und Action: Aufmerksamkeit, Interesse, Verlangen und Handlung. In der Praxis werden Schritte wiederholt oder übersprungen.

Fünf Schritte im VerkaufsgesprächFünf Schritte des VerkaufsgesprächsKontakt, Beratung, Kaufbereitschaft, Entscheidung und VerabschiedungStruktur für das KundengesprächKontaktEindruckBeratungBedarfNutzenverstärkenEntscheidja / neinAbschiedTüre offenGespräche verlaufen flexibel: Schritte können wiederholt werden.
Vom ersten Eindruck bis zur offenen Verabschiedung bleibt der Kundennutzen im Zentrum.

Bei sensiblen Fragen zu Einkommen, Vermögen oder Gesundheit braucht es Vertrauen. Ausschlüsse sind ehrlich zu erklären; anschliessend sollte der Deckungsumfang nochmals verdeutlicht werden.

Einwände und Abschluss

Ein Einwand zeigt Interesse. Hinter «Ich überlege es mir noch» kann ein tieferer Grund liegen, der mit Fragen zu klären ist.

EinwandtechnikVorgehen
Ja-aber-MethodeEinwand anerkennen und relativieren
Bumerang-MethodeEinwand zum Kaufargument machen
UmrechnungsmethodeJahresprämie als Tagesbetrag darstellen
VergleichsmethodePrämie mit möglicher Schadensumme vergleichen

Abschlusssignale sind Fragen zu Beginn, Konditionen oder Zeitpunkt sowie zustimmendes Nicken. Vor dem Abschluss wird die Lösung zusammengefasst. Meist wird eine massgeschneiderte Lösung angeboten; mehrere Offerten sind vor allem im Firmenkunden- und Lebengeschäft üblich.

AbschlusstechnikVorgehen
AlternativtechnikWahl zwischen zwei Varianten
Direkter AbschlussDirekt nach der Entscheidung fragen
Impliziter AbschlussVon Zustimmung ausgehen und Antrag ausfüllen
Indirekter AbschlussÜber Detailfragen zur Entscheidung führen

Eine endgültige Ablehnung ist professionell zu akzeptieren, damit spätere Kontakte möglich bleiben.

Nachbereitung und Reklamationen

Reklamationen werden immer entgegengenommen. Die Kundschaft darf ausreden; der Vermittler bleibt ruhig und sachlich, klärt den Fehler mit Fragen und beurteilt die Berechtigung. Berechtigte Fehler werden sofort zugegeben. Massnahmen werden notiert, rasch umgesetzt und nachkontrolliert.

Auch Schadenverhütung und Unterstützung im Schadenfall gehören zur Beratung. Rechtlich verbindlich bleiben die Beratungs- und Dokumentationspflichten nach Artikel 45 des Versicherungsaufsichtsgesetzes und Artikel 68 des Versicherungsvertragsgesetzes.

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