Von der gegenseitigen Hilfe zur Gefahrengemeinschaft
Menschen können schwere Schicksalsschläge oft nicht allein bewältigen. Deshalb teilen Gemeinschaften Gefahren und tragen die finanziellen Folgen gemeinsam. Aus freiwilliger Hilfe entwickelte sich so die professionell organisierte Versicherung.
Gefahren gemeinsam bewältigen
Unfälle, Krankheiten, Naturkatastrophen oder der Verlust der Stelle können eine einzelne Person finanziell überfordern. Eine Gemeinschaft kann eine Bedrohung leichter abwehren und die Folgen eines Unglücks auf mehrere Schultern verteilen.
Von freiwilliger Solidarität zu verbindlichen Regeln
Die älteste Form der Gemeinschaft ist die Familie, ursprünglich die Grossfamilie oder Sippe. Junge Mitglieder sorgten für ältere; kranke und schwache Mitglieder wurden mitgetragen.
Freiwillige Solidarität zeigt sich auch heute:
- Familie und Freunde helfen mit Geld oder bei der Kinderbetreuung.
- Menschen engagieren sich in Vereinen, Feuerwehren oder Jugendtreffs.
- Nach Katastrophen unterstützen Spenden die Betroffenen.
Je weniger sich Menschen kennen, desto geringer ist häufig die Bereitschaft zur freiwilligen Hilfe. Bei hohen Kosten reicht sie deshalb nicht zuverlässig aus.
Die Gefahrengemeinschaft
Eine Gefahrengemeinschaft ist ein Zusammenschluss von Personen, die derselben Gefahr ausgesetzt sind und sich verbindlich zur gegenseitigen Hilfe verpflichten. Es gilt das Prinzip: «Einer für alle, alle für einen.»
Jede Person hofft, nicht betroffen zu sein. Weil dies niemand sicher weiss, verteilt die Gemeinschaft eine mögliche grosse Last auf viele Beteiligte.
Beispiele aus Geschichte und Gegenwart
| Beispiel | Gemeinsames Tragen der Gefahr |
|---|---|
| Babylonische Kaufleute vor rund 4000 Jahren | Karawanen schützten vor Räubern; ein Raubschaden wurde geteilt. |
| Seehandel vor gut 2000 Jahren | Kaufmann und Schiffseigentümer teilten Schäden an Waren, die bei Seenot geopfert wurden. |
| Seilschaft | Die Bergsteiger versprechen sich gegenseitigen Beistand. |
| Gemeinsames Unternehmen | Die Beteiligten tragen Erfolg und Verlust gemeinsam. |
Von der Gemeinschaft zur Versicherung
Kleine Gefahrengemeinschaften können sich selbst organisieren. Bei vielen Beteiligten übernimmt ein professionelles Versicherungsunternehmen diese Aufgabe: Es sammelt Beiträge, organisiert den Risikoausgleich und erbringt die vereinbarten Leistungen.
MerkeDie Versicherung ist eine professionell organisierte Gefahrengemeinschaft nach dem Prinzip «Einer für alle, alle für einen».
Der Staat als Gefahrengemeinschaft
Auch der Staat trägt gemeinsame Gefahren. Seine Mitglieder leisten über Steuern und Gebühren Beiträge. Damit werden unter anderem Armee, Polizei, schützende Gesetze, Fürsorgeleistungen, öffentliche Spitäler und Schulen finanziert.
Bei Sozialversicherungen übernimmt der Staat direkt die Rolle des Versicherers. Die Alters- und Hinterlassenenversicherung sowie die Invalidenversicherung sichern Betagten und Invaliden ein minimales Einkommen.
Prüfungs-Check
- Du kannst freiwillige Solidarität von einer verbindlichen Gefahrengemeinschaft unterscheiden.
- Du erklärst das Prinzip «Einer für alle, alle für einen».
- Du kennst den Organisationsunterschied zwischen Gefahrengemeinschaft und Versicherung.
- Du kannst den Staat als Gefahrengemeinschaft einordnen.